5G – abhörsicher oder abhörsicherer?

06 Jun

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Endlich will nun auch die Bundesrepublik Deutschland ihr Mobilfunknetz stufenweise auf 5G ausbauen. Der neue Mobilfunkstandard bringt nicht nur höhere Sicherheitsmaßnahmen mit sich, sondern auch Diskussionen mit den Justizministern. Denn diese sind zwar für einen Anstieg der Sicherheit des Netzwerkes, wollen jedoch noch genauso umfänglich und in gleicher Qualität auf die Überwachungsdaten zugreifen können. Am kommenden Mittwoch soll auf der Frühjahrskonferenz darüber abgestimmt werden.

Die Justizminister kritisieren vor allem, dass das abhörsicherere 5G-Netz ein Problem für die Überwachungsmöglichkeiten der Polizei darstellt. Das bedeutet, dass die Polizei schwieriger an die Telekommunikationsüberwachungsdaten von Personen rankommt. Somit erwartet das Bundesministerium, dass das neue Netz den „Anforderungen der Strafverfolgung“ berücksichtigt. Hierbei ergeben sich mehrere Probleme.

Erstens stellt sich die Ende-zu-Ende Verschlüsselung als Problem dar. Diese schützt übertragene Daten von Sender und Empfänger und sorgen dafür, dass nur die Kommunikationspartner die Nachrichten entschlüsseln können. Bisher haben nur wenige Messenger-Apps diese Verschlüsselung genutzt. Die 5G-Kommunikation soll in Zukunft jedoch alle Nachrichten hiermit schützen. Ein Abhören wäre ab 5G somit nur noch mithilfe eines Trojaners möglich.

Zudem würden IMSI-Catcher im 5G-Netz nicht mehr funktionieren. IMSI-Cather sind Geräte, die Smartphones vortäuschen, dass sie Teil des Mobilfunknetzes sind. Dies simuliert ein starkes Mobilfunknetzwerk und kann Handys an sich binden, um diese zu infiltrieren und abzuhören. Durch das 5G-Netzwerk und mithilfe eines 5G-fähigen Smartphones würde dieser IMSI-Catcher erkannt und ignoriert werden und folglich nicht mehr abgehört werden können.

Außerdem werden durch das 5G-Netz generell diverse Abhöraktionen verhindert. Zum Beispiel könnte das sogenannte Network Slicing zum Problem werden. Hierbei wird das Netz in viele virtuelle Netze aufgeteilt. Die Daten würden infolgedessen nicht mehr direkt zu den Providern geleitet werden. Eben hier wäre die Abhörschnittstelle der Polizei gewesen. Mit 5G gäbe es diese Schnittstelle somit nicht mehr und kann dadurch nicht mehr zu Strafverfolgung eingesetzt werden.

Letztendlich werden die Diskussionen darauf hinauslaufen, dass die Provider dazu verpflichtet werden mit den Sicherheitsbehörden zusammenzuarbeiten und ihnen die notwendigen Daten zur Verfügung zu stellen. Folglich wird das aktuelle Telekommunikations- und Telemediengesetz wahrscheinlich an das neue Netzwerk angepasst werden, um unterschiedliche Ermittlungsmaßnahmen zu ermöglichen. Dennoch bleibt die Forderung der Justizminister ein Widerspruch in sich.

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