Arbeitsschutz als Managementsystem nach DIN ISO 45001

10 Sep

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Einführung[1]

Heute wird von Unternehmen erwartet, dass sie dem Arbeitsschutz und der Unfallverhütung einen hohen Stellenwert einräumen.

Doch das war nicht immer so.
Die Industrialisierung im ausgehenden 19. Jahrhundert brachte eine neue gesellschaftliche Klasse hervor: Die Lohnarbeiter, die in den Fabriken unter katastrophalen Bedingungen arbeiten mussten. Auf sie und ihr Streben nach einer Verbesserung der Lebens- und Beschäftigungssituation geht der moderne Arbeits- und Gesundheitsschutz, wie wir in heute kennen, zurück.

Das wichtigste Element des Arbeitsschutzes stellt das im Dezember 1974 verabschiedete Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG) dar. Dadurch sind Betriebe gesetzlich verpflichtet

  • Betriebsärzte einzustellen und
  • Fachkräfte für Arbeitssicherheit als Berater in die betriebliche Sicherheitsarbeit einzubeziehen.

Seit 1985 wird der deutsche Arbeitsschutz auch europäisch geregelt.

Im August 1996 trat das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) in Kraft; es regelt die Aufgaben des Arbeitgebers und Arbeitnehmers im deutschen Arbeitsschutz.

Heute tragen Arbeitgeber dafür Sorge, dass ihre Beschäftigten vor Gefahrstoffen, Krankheitserregern, Lärm, technischen Arbeitsmitteln und weiteren Gefahren, die sich aus ihrer Beschäftigung ergeben, geschützt sind.
Der erforderliche Schutz wird bereits der Planung von Arbeitsplätzen berücksichtigt (Prävention). Zusätzlich hat der Arbeitgeber seine Beschäftigten entsprechend der durchgeführten Tätigkeiten zu unterweisen/ schulen.

Physische Erkrankungen, die am Arbeitsplatz auftreten können, sind seit September 2013 ebenfalls im Arbeitsschutzgesetz verankert.

 

Zahlen – Daten – Fakten[2]

Jeden Tag sterben Menschen an den Folgen von Arbeitsunfällen oder arbeitsbedingten Krankheiten. Mehr als 2,78 Millionen Todesfälle pro Jahr.

Darüber hinaus gibt es pro Jahr rund 374 Millionen arbeitsbedingte Verletzungen, die zu mehr als vier Tagen Abwesenheit von der Arbeit führen.
Die Kosten sind enorm und die wirtschaftliche Belastung wird auf 3,94 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts pro Jahr geschätzt.

Arbeitsschutz ist eine „lohnende Investition“!

 

 

Warum nun ein Managementsystem zum Arbeitsschutz?

Die Basis für Arbeits- und Gesundheitsschutz-Managementsysteme bildet hier der Standard BS OHSAS 18001 Occupational health and safety management systems aus 2007. Dieser wurde 2018 durch die ISO 45001 abgelöst.

  • dient als Anleitung für die „gute Praxis“
  • ergänzt die gesetzlichen Regelungen
  • ein Managementsystem stellt einen Rahmen zur Verfügung, um Risiken und Chancen für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (SGA) zu behandeln und unterstützt so bei der Umsetzung erforderlicher Maßnahmen
  • sorgt für die notwendige Selbstverpflichtung des Unternehmens zur Erfüllung der geltenden Anforderungen
  • unterstützt bei der Definition und der Bewertung von SGA-Zielen
    à oberstes Ziel ist es, den Arbeitsschutz in laufende Prozesse zu integrieren
  • macht die SGA-Leistung des Unternehmens messbar
  • schafft Vertrauen innerhalb des Unternehmens und bei interessierten Parteien

DIN ISO 45001[3] fasst dies entsprechend zusammen:

Eine Organisation ist für die Sicherheit und Gesundheit von Beschäftigten bei der Arbeit und anderer Personen, die von deren Tätigkeiten betroffen sein können, verantwortlich. Diese Verantwortung beinhaltet die Förderung und den Schutz ihrer physischen und psychischen Gesundheit.
Die Einführung eines Managementsystems für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (SGA-MS) soll eine Organisation in die Lage versetzen, sichere und gesundheitsgerechte Arbeitsplätze bereitzustellen, arbeitsbedingte Verletzungen und Erkrankungen zu vermeiden und ihre SGA-Leistung fortlaufend zu verbessern

 

Fazit:[4]

Die DIN ISO 45001 führt erstmals den traditionellen Arbeitsschutz und das betriebliche Gesundheitsmanagement zusammen.
Somit bietet die Norm all jenen Organisationen einen guten Einstieg, die diese Themen noch nicht systematisch umsetzen.

Unternehmen, die bereits ein Managementsystem nach ISO 9001 und/oder ISO 14001 eingerichtet haben, können mit relativ geringem Aufwand den Aspekt Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz integrieren.

 

Einheitlicher Arbeitsschutz gegen das Coronavirus[5]

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat am 16. April 2020 den sogenannten „SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard“ veröffentlicht.

Download auf der Webseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Ziel des veröffentlichen Standards ist

  • der Schutz der Bevölkerung,
  • die Sicherung der Gesundheit von Beschäftigten,
  • die Wiederherstellung der wirtschaftlichen Aktivität und
  • die Herstellung einer mittelfristig andauernden flachen Infektionskurve

durch die Unterbrechung der Infektionsketten.

Er fordert ein betriebliches Maßnahmenkonzept für zeitlich befristete zusätzliche Maßnahmen zum Infektionsschutz vor SARAS-CoV-2.

Der Standard, so das Ministerium, sei bundesweit verbindlich von allen Unternehmen einzuhalten.

Die Umsetzung und Beachtung des Standards gelten für

  • Verantwortliche im Sinne § 3 und § 5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG); hier werden die Pflichten des Arbeitgebers berührt
  • Arbeitgeber bzw. deren Beauftragte sowie Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit
  • Mitarbeiter und alle betriebsfremden Personen wie Fremdfirmen und Besucher

Der Standard unterteilt die als notwendig geforderten Infektionsschutzmaßnahmen im Unternehmen zum einen in besondere technische Maßnahmen (z.B. zur Arbeitsplatzgestaltung, Lüftung, Infektionsschutzmaßnahmen, Meetings etc.), in besondere organisatorische Maßnahmen (z.B. Sicherstellung ausreichender Schutzabstände, Arbeitszeit-/ Pausengestaltung, Aufbewahrung und Reinigung von Arbeitskleidung und PSA, etc.) sowie in besondere personenbezogene Maßnahmen (z.B. Mund-Nase-Schutz und PSA, Unterweisung und Kommunikation, etc.).

 

Kontakt

 

 

 

[1] https://www.tuv.com/de/deutschland/aktuelles/arbeitsschutzgesetz/geschichte_des_arbeitsschutzes_in_deutschland/diegeschichtedesarbeitsschutzesindeutschland.html?et_cid=162&et_lid=177&et_sub=DE_Die%20Geschichte%20des%20Arbeitsschutz – 09.07.2020
[2] https://www.ilo.org/global/topics/safety-and-health-at-work/lang–en/index.htm – 09.07.2020
[3] DIN ISO 45001, 0.1
[4] https://www.qz-online.de/qualitaets-management/qm-basics/recht_normen/iso-45001/artikel/iso-45001-2018-arbeitsschutz-und-gesundheitsmanagement-vereint-6652126.html?_req_id=91592386272520:F63E23A824EE949D8F30BD52FE2D1BAB064B48C6&survey_6652126.current-step=1 – 09.07.2020
[5] https://dialog.dqs.de/acton/rif/40656/s-02a9-2006/-/l-0053:8f5/q-02a6/showPreparedMessage?sid=TV2:Yxgceiiq5 -09.07.2020

 

Bildnachweis: Sign Safety Danger german „Safety Danger“Pusteflower9024 von Getty Image auf Canva

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