Brandschutzmanagement im Krisenfall – was können wir aus Notre-Dame lernen?

18 Apr

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Nach dem Inferno von Notre-Dame am vergangenen Montag stellen sich viele die Frage, wie das überhaupt passieren konnte. Die Brandursache ist noch nicht geklärt. Diese ist aber maßgeblich für die Analyse der Krise, denn aus Fehlern kann man nur lernen, wenn man deren Ursprung kennt. Erst so kann, wie in einem Unternehmen, ein Managementsystem aufgebaut werden, welches gewährleisten kann, dass man widerstandsfähiger wird oder solche Situationen sogar verhindern kann.

Ähnlich wie bei dem Brand der Notre-Dame ging es auch in der Marthakirche in Nürnberg zu. 2014 stand die Kirche lichterloh in Flammen und auch hier war das gesamte Gebäude aufgrund von Bauarbeiten eingerüstet. Ob Notre-Dame, die Marthakirche oder auch das Rathaus in Straubing: Gebäude, die plötzlich in Brand stehen, sind nicht so unwahrscheinlich in Zusammenhang mit Renovierungsarbeiten. Aus Sichtweise eines Managementsystems ist es wichtig, systematisch daraus zu lernen und die Ursachen aus allen Blickwinkeln zu betrachten. So ist es im ersten Schritt von großer Bedeutung, die Quelle des Brandes aufzudecken: War es ein Materialfehler, hat eine Person versehentlich den Brand ausgelöst oder war es gar Vorsatz? Darauf aufbauend können Maßnahmen zur Prävention, aber auch Notfallpläne zur Reaktion entwickelt werden. In Paris wird momentan mit Hochdruck dem Auslöser des Brandes auf den Grund gegangen, dennoch vermutet man mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Zusammenhang mit den Bauarbeiten unter dem Dach.

Auch der Kölner Dom, das Villinger Münster sowie die Festung Rosenberg wurden aufgrund des Vorfalls auf ihr Notfallmanagement aufmerksam und konnten bereits Fehler in ihrem Notfallplan aufdecken. Beim Villinger Münster fehlen scheinbar sogar Rauchmelder, somit muss hier am Anfang angesetzt werden. Ein systematischer Ansatz zum Umgang mit Brandrisiken, also Prävention, Lernen von Ereignissen, aber auch Reaktion auf Brandereignisse sind unerlässlich. Dazu müssen die individuellen Risiken im Anwendungsbereich ermittelt und bewertet werden. Zwar gibt es Normen zum baulichen Brandschutz – etwa das Brandverhalten von Bauelementen und die Ausführung von Brandschutz in baulichen Situationen – jedoch noch keinen Systemstandard für Brandschutzmanagement. Dieser lässt sich aber aus bekannten Ansätzen von Managementsystemen selbst umsetzen – ein Gewinn im vorbeugenden Brandschutz in Unternehmen und auf Baustellen.

Der Notre-Dame hätte ein Managementsystem für Brandschutz nicht geschadet. Ob es den Brand hätte verhindern können, ist eine ganz andere und hypothetische Frage. Durch ihren entschlossenen Einsatz hat die Feuerwehr den größtmöglichen Schaden zwar verhindert. Aber das Gebäude ist zu großen Teilen zerstört und muss nun wieder aufwändig aufgebaut werden; die Wiedereröffnung der Kathedrale ist nach Angaben des französischen Präsidenten Emmanuel Macron frühestens 2024 möglich.

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