Die Rationalität eines Risikomanagers

01 Aug

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Man geht davon aus, dass Risikomanagement ein rationaler Prozess ist, welcher auf der Analyse von fundierten Datenquellen basiert. Der Risiko Manager scheint hierbei die Personalisierung des Rationalisten zu sein. Dies stellt jedoch eher ein eigen kreiertes Selbstbild der Risikomanager oder die Wahrnehmung in einem Unternehmen dar. Die Realität sieht etwas anders aus: Etwas wie pure Rationalität gibt es nicht, es spielen immer auch andere Faktoren eine Rolle bei der Entscheidungsfindung.

Für den Begriff Risikomanagement kann man in der ISO 3100 eine Definition entnehmen. Es wird das Risikomanagement als „koordinierte Aktivitäten zur Leitung und Kontrolle einer Organisation hinsichtlich der Risiken“ beschrieben. Der Begriff Risikomanager wird hierbei nicht definiert.

Risikomanager sind auch nur Menschen und somit gibt es natürliche Grenzen hinsichtlich ihrer Expertise. Zwar können diese viele Szenarien aufgrund ihrer Erfahrungen und Fachwissen einschätzen, sind aber nicht allwissend. Zudem gibt es etwas wie pure Rationalität nicht. Das heißt auch bei Risikomanagern beeinflussen Emotionen die Entscheidung. Zudem können diese nicht jede mögliche Eventualität aufgrund ihrer Erfahrungen voraussehen. Das Gute aber ist, dass Erfahrungen, die jeder von uns macht, einen Lerneffekt hinsichtlich unseres Bewusstseins sowie Unterbewusstseins haben, was Einschätzungen genauer machen kann.

Demasio hat diesbezüglich die Idee der somatischen Marker definiert. Hierbei geht er davon aus, dass die unbewussten emotionalen Erfahrungen, die ein Mensch macht, verkörperlicht werden. Diese beeinflussen wiederum Entscheidungen. Das schlechte Bauchgefühl, das wir empfinden, wenn uns eine Idee oder eine Information gar nicht gefallen, ist solch ein somatischer Marker.

Demasio geht aber auch darüber hinaus davon aus, dass die somatischen Marker eine Quelle von Vorurteilen sind. Diese Vorurteile hatten in der Evolution durchaus Ihre Vorurteile, um schnell Freund und Feind zu erkennen. Man geht davon aus, dass viele davon angeboren sind, viele aber auch im Lauf des Lebens erworben wurden durch Erfahrungen usw. Auch soziales Umfeld und Kultur haben einen immensen Einfluss auf unser Unbewusstes. Risikomanagement hat also durchaus auf kulturelle Bias.

Außerdem können auch Ankereffekte bei der Entscheidungstreffung eine Rolle spielen. So argumentiert Katopol (2013), dass das wahrgenommene Risiko die große Rolle bei der Entscheidung spielt. Dabei stellt sich die Frage, ob wir eher risikofreudig oder risikoscheu eingestellt sind. Der Bauch sagt uns sehr schnell, was er von einem Risiko hält. Ist also Risikomanagement eine Bauchentscheidung, da Menschen generell mit dem Bauch entscheiden? Kahnemann hält mit seinen Buch Thinking, Fast and Slow genau in diese Richtung.

Das Unbewusste hat also einen ständigen und vielleicht sogar den entscheidenden Einfluss auf die Entscheidungsfindung, da Geschehnisse und Daten erst einem Filter durchlaufen bevor wir diese aktiv wahrnehmen. Dies ist deswegen notwendig, da wir sonst eine Reizüberflutung erleiden würden und unser Gehirn auf Energiesparmodus arbeiten möchte. Das bedeutet aber auch das relevante Informationen es nicht schaffen bei uns aktiv wahrgenommen zu werden.

Aber, liebe Risikomanager/innen: nicht den Kopf hängen lassen, da wir unser Unbewusstes durch Erfahrung und Lernen trainieren und damit bessere Entscheidungen treffen. Natürlich hilft eine gute Datenbasis dabei und wir kalibrieren uns damit. Damit: auf gute Daten basierende Bauchentscheidungen!

Urheberrecht: Olivier Le Moal auf Fotolia.com

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