Energiemanagement – ISO 50001

12 Nov

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#mehrnormenmehrspass – Wer bereits mit uns RUCONs Kontakt hatte, dem ist unter Umständen bereits dieser Slogan über den Weg gelaufen. Er stammt aus der Feder von Uwe Rühl, dem Gründer der RUCON Gruppe. Bei der Flut von Anforderungen, die ab und an auf uns einprasseln, empfinden das vielleicht nicht alle so. Aber Normen schaffen Zuständigkeiten, regeln Verantwortungen und unterstützen den langfristigen Erfolg von Unternehmen (Organizational Resilience). Und Sie verursachen Arbeit, viel Arbeit – aber die Mühe lohnt sich langfristig! Wir unterstützen Sie gern dabei.

Heute verlassen wir unsere vertraute Umgebung, blicken über den Tellerrand und schauen uns das Energiemanagement näher an.

 

Was versteht man unter Energiemanagement?[1]

Ein Energiemanagement nimmt Einfluss auf organisatorische und technische Abläufe sowie Verhaltensweisen, um den gesamten Energieverbrauch eines Unternehmens unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu senken. Durch diesen ganzheitlichen Ansatz wird die Energieeffizienz kontinuierlich verbessert.

 

Warum sollte man ein Energiemanagement einführen?[2]

Es gibt viele Gründe für den Aufbau eines Energiemanagementsystems (EnMS), z.B. trägt es dazu bei:

  • Kosten zu reduzieren,
  • die Umwelt zu schützen,
  • eine nachhaltige Wirtschaftsweise zu leben,
  • das Unternehmensimage zu verbessern, und
  • Förderungen, aber auch gesetzliche Erleichterungen zu nutzen.

Ein zertifiziertes Energiemanagementsystem wird zunehmend zur Voraussetzung für die Inanspruchnahme von Fördermitteln oder gesetzlichen Erleichterungen. Darüber hinaus finden sich auch in (öffentlichen) Ausschreibungen immer häufiger ökologische Anforderungen, die auch den energetischen Bereich berühren.

 

Energiemanagement mit System[3]

Ein Energiemanagementsystem kann die Energieeffizienz in Unternehmen und Organisationen erhöhen sowie den Energieverbrauch und damit verbundene (Treibhausgas-)Emissionen mindern. Durch die Kostenentlastungen stärkt es zudem die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und schafft erkennbare Leistungsmerkmale, die den Unterschied zu Mitbewerbern aufzeigen.

 

 

Wie funktioniert ein Energiemanagement?

 Grundsätzlich werden Einsparpotenziale identifiziert und ausgebaut.

Dazu werden Energieströme und die benötigten Energieträger erfasst und analysiert. Darauf aufbauend werden Verbesserungen erarbeitet, auf Ihre Wirtschaftlichkeit geprüft und umgesetzt. Das Energiemanagement hilft so bei der Entscheidung für Investitionen in die Energieeffizienz.

Um auch langfristig eine Verbesserung der Energieeffizienz zu erreichen, legen Unternehmen eine organisationsweite Energiepolitik fest, setzen sich Energieziele, schaffen Aktionspläne und messen die Zielerreichung anhand von Leistungskennzahlen. Außerdem nimmt ein Energiemanagementsystem positiven Einfluss auf die organisatorischen und technischen Abläufe in der Organisation sowie auf die Verhaltensweisen der Beschäftigten.

 

Energiemanagementnorm ISO 50001

 Mit ISO 50001 wurde ein internationaler Standard für ein Energiemanagementsystem im Jahr 2011 veröffentlicht. ISO 50001 ist als Managementsystemnorm nicht sektorspezifisch ausgerichtet und kann durch die generische Beschreibung von unterschiedlichsten Organisationen angewendet werden. Es ist die Aufgabe des jeweiligen Unternehmens, die in ISO 50001 formulierten Anforderungen angemessenen auf die eigenen Bedürfnisse zu adaptieren und wirksam umzusetzen.

Im Jahr 2018 wurde die ISO 50001 novelliert. Schwerpunkt war die Anpassung der Norm an die einheitliche Grundstruktur für ISO-Managementsystemnormen (HLS – High-Level-Structure). Sie folgt nun dem gleichen Aufbau wie ISO/IEC 27001 (Informationssicherheit), ISO 9001 (Qualitätsmanagement) und anderen. Dadurch lassen sich die verschiedenen Managementsysteme besser miteinander zu einem Integrierten Managementsystem verbinden.

Im Zuge der Revision wurden folgende Normkapitel „verschoben“:

  • 1 Allgemeine Anforderungen
    findet sich unter 4.1 und 4.2 in Kapitel 4 Kontext der Organisation
  • 2 Verantwortung des Managements und 4.3 Energiepolitik
    finden sich in Kapitel 5 Führung
  • 4 Energieplanung
    findet sich unter 6.1 und 6.2 in Kapitel 6 Planung
  • 5 Einführung und Umsetzung
    findet sich in Kapitel 7 Unterstützung und 8 Betrieb
  • 6 Überwachung, Messung und Analyse und 4.7 Managementbewertung
    finden sich in Kapitel 9 Bewertung der Leistung
  • NEU – Kapitel 10 Verbesserung

ISO 50001, die in Deutschland als DIN EN ISO 50001 im Jahr 2012 in Kraft getreten ist, regelt die Anforderungen, die ein Energiemanagementsystem erfüllen muss, um zertifiziert zu werden. Ein Anreiz für die Einführung eines zertifizierten Energiemanagementsystems wäre z.B., dass dies die Voraussetzung darstellt, um beispielsweise steuerliche Entlastungen nach §55 des Energie– und §10 des Strom-Steuergesetzes, in Anspruch nehmen zu können (Voraussetzung seit 1. Januar 2013).

 

Auch ISO 50001 folgt dem PDCA-Zyklus[4]

Auch ISO 50001 folgt dem PDCA-Zyklus. Dadurch wird eine Implementierung in ein möglicherweise bereits vorhandenes (Management-)System erleichtert. PDCA steht grundsätzlich für ein dynamisches, sich wiederholendes Modell (Kreislauf), mit dem Energieverbräuche in diesen vier Phasen (Plan – Do – Check – Act) immer wieder neu bewertet und optimiert werden können.

  • Plan:
    Festlegen von Energiezielen, Strategie, Maßnahmen und Verantwortlichkeiten und Bereitstellung erforderlicher Ressourcen
  • Do:
    Einführung eines Energiemanagementsystems inkl. erforderlicher Prozesse und Durchführung von Verbesserungsmaßnahmen
  • Check:
    Überprüfung des Zielerreichungsgrades und der Effektivität des Energiemanagementsystems, Sammlung neuer Ideen via Energieaudit, ggf. Einbeziehung eines externen Experten
  • Act:
    Strategische Optimierung durch Zusammenfassung der aktuellen Energiedaten, Auditergebnissen und neuer Erkenntnisse, Bewertung des Fortschritts anhand aktueller Energiemarktdaten, Ableitung neuer Ziele

Ziel ist die kontinuierliche Senkung der energiebezogenen Kosten.

 

Auswirkung der Norm-Revision und Corona[5][6]

Die ursprünglich vorgesehene Übergangsfrist für die Transition von ISO 50001:2011 auf die Ausgabe von 2018 wurde durch das International Accreditation Forum (IAF) auf den 20. Februar 2022 verlängert.

Einen „Knackpunkt“ im Rahmen der geforderten kontinuierlichen Verbesserung stellt der Nachweis geeigneter Energieleistungskennzahlen (EnPI) dar, da nicht jede Kennzahl einer EnPI entspricht.

ISO 50001:2018 fordert, dass messbare Ergebnisse der Energieeffizienz oder des Energieverbrauchs, bezogen auf den Energieeinsatz im Vergleich mit der energetischen Ausgangsbasis, vorliegen. Der Arbeitsausschuss NA 172-00-09 AA „Energieeffizienz und Energiemanagement“ hat Erläuterungen zu einigen Fragen der neuen Norm veröffentlicht und sich unter anderem auch mit dem Thema Kennzahlen und Verbesserung der energiebezogenen Leistung beschäftigt.
Für Unternehmen, die die Revision noch vor sich haben, stellt dies eine hilfreiche Lektüre dar. Als EnPIs gelten Kennzahlen demnach nur, wenn sie nicht durch wesentliche Einflussgrößen verzerrt werden und geeignet sind, die tatsächliche energiebezogene Leistung aufzuzeigen.

 

Ihr Unternehmen hat seinen Standort in Bayern und Sie „haben Bock“ auf Energiemanagement?[7]

Durch den zunehmenden Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung steigt auch der Anteil der schwankenden Stromeinspeisung. Um dennoch Versorgungssicherheit und Netzstabilität zu gewährleisten, müssen alle Komponenten des Stromsystems flexibler werden. Das betrifft nicht nur die Seite der Stromerzeuger, sondern auch die der Stromabnehmer. Die Steuerung der Nachfrage nennt man Lastmanagement bzw. Demand Side Management (DSM). Hiervon profitieren auch die Unternehmen. Sie können ihre Wirtschaftlichkeit durch Kosteneinsparung und zusätzliche Erlöse – beispielsweise durch die Vermarktung abschaltbarer Lasten – steigern.

Im Pilotprojekt „Demand Side Management Bayern“ der Deutschen Energie-Agentur (dena) wird untersucht, wie bayerische Unternehmen bei der Umsetzung von Lastmanagement unterstützt werden können. Das Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie (StMWi) gefördert.

 

Experten-Kontakt

 

 

 

 

[1] https://www.bfee-online.de/BfEE/DE/Energiedienstleistungen/Energiemanagement/energiemanagement_node.html (letzter Zugriff 20.07.2020, 11:10 Uhr)
[2] https://www.energiemanagement-und-energieeffizienz.de/informationen/energiemanagement/ (letzter Zugriff 20.07.2020, 11:13 Uhr)
[3] https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/wirtschaft-umwelt/umwelt-energiemanagement/energiemanagement-system#wie-funktioniert-ein-energiemanagement (letzter Zugriff 20.07.2020, 11:25 Uhr)
[4] https://www.haufe.de/thema/energiemanagement/ (letzter Zugriff 20.07.2020, 11:44 Uhr)
[5] https://blog.tuv.com/iso-50001-revision-erste-erfahrungen-mit-der-neuen-norm/ (letzter Zugriff 20.07.2020, 11:50 Uhr)
[6] https://www.dakks.de/content/iaf-verl%C3%A4ngert-%C3%BCbergangsfristen (letzter Zugriff 20.07.2020, 11:53 Uhr)
[7] https://www.energieatlas.bayern.de/unternehmen/energiemanagement.html (letzter Zugriff 20.07.2020, 13:04 Uhr)

 

Bildnachweis: Energy, by-studio von Getty Image auf Canva

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