Kraft der zwei Systeme – wie das Management Resilienz aufbauen kann

27 Jun

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Heutzutage müssen Führungskräfte sich vielen Herausforderungen stellen. Eine der größten Herausforderungen ist die ständige und enorm schnelle Veränderung vor allem im Geschäftsalltag. Denn vielen Unternehmen fehlen die Kompetenzen und Ressourcen, Bedrohungen zu erkennen, schnell zu reagieren, sich anzupassen und somit wettbewerbsfähig zu bleiben. Meistens wird versucht mit Strategien, die sich in der Vergangenheit als sinnvoll herausgestellt haben, zu reagieren, doch häufig sind diese Reaktionen veraltet und passen nicht zu den aktuellen Bedingungen. Die bisherigen Methoden, Strukturen und Managementprozesse in Unternehmen reichen nicht mehr aus, denn diese sind nicht flexibel genug, ihre Strategie ständig anzupassen. Um Veränderung einzuleiten muss beim Management angesetzt werden.

Viele Unternehmen nutzen aus unterschiedlichen Gründen auf ISO-Standards beruhende Managementsysteme um Themen wie Qualität oder Informationssicherheit im Unternehmen zu steuern. Gerade diese formellen Ansätze haben nicht gerade den Ruf, anpassungsfähig und flexibel zu sein. Zu unrecht?

Es geht in den Unternehmen heute nicht um stabil oder agil, sondern um das „UND“. Unternehmen müssen stabil UND agil sein. Stabil im täglichen Geschäft, widerstandsfähig und überlebensfähig. Hier wird erwirtschaftet, was das Unternehmen zu Überleben braucht. Gleichzeitig muss es aber agil sein, um sich anzupassen, neue Produkte entwickeln und bereit werden für das Wachstum von Morgen.

J.P. Kotter schlägt ein zweites Betriebssystem vor – die Kraft der zwei Systeme. Traditionelle Hierarchien und Managementprozesse werden selten überarbeitet und beachten die täglichen Veränderungen kaum. Kotter empfiehlt deshalb ein weiteres Betriebssystem einzuführen mit „agilen, netzwerkartigen Strukturen und gänzlich anderen Prozessen, das allein der Entwicklung und Umsetzung neuer Strategien dient“ (Kotter, 2012. S.24).

Das traditionelle Management beinhaltet klare und strikte Hierarchien. Dies hat zwar vielseitige Vorteile, kann jedoch der geforderten Dynamik oft nicht standhalten, da diese enorm risikoscheu sind und Veränderungen somit nicht schnell umgesetzt werden können. Parallele Systeme haben dahingehen den Vorteil, dass eine managementgetriebene Hierarchie und ein Strategienetzwerk zeitgleich möglich sind. Das neue System ersetzt nicht das „alte“ System, sondern ergänzt dieses, um Geschwindigkeit aufzunehmen. Es kann dann die Branche, die Organisation und das laufende Geschäft beobachten, um schneller zu reagieren, stört dabei aber das Tagesgeschäft nicht. Hierzu sollten Freiwillige rekrutiert werden, etwa 10 Prozent der Mitarbeiter aus dem Management und der Belegschaft. Diese sollten von sich aus und aus eigenem Interesse als Change Agents auftreten, da dies eine höhere Motivation sowie ein Gefühl der Verbindung schafft. Zudem hält Kotter acht Beschleuniger fest, die für den Erfolg stehen bzw. sorgen sollen: Dringlichkeit aufzeigen, eine lenkende Koalition aufbauen und pflegen, eine strategische Vision formulieren und Change-Initiativen entwickeln, die Vision und Strategie kommunizieren um Unterstützung und Freiwillige zu gewinnen, Hindernisse beseitigen, um schnelleres Vorankommen zu ermöglichen, schnelle, bedeutende Erfolge zelebrieren, nie nachlassen, immer weiter lernen, strategischen Wandel in der Unternehmenskultur institutionalisieren.

Kotters Modell der „Kraft der zwei Systeme“ hat sich in der Praxis schon mehrfach bewährt. Nahezu jede Branche in von einer Dynamik und ständiger Veränderung geprägt, somit lohnt sich der Schritt in Richtung resilienter Organisation und somit Anpassung.

Und: Kotters Modell ist natürlich auch in vorhandene, eher formelle Managementsysteme integrierbar. Es geht: Survive AND Prosper, stabil UND agil. Durch die Kraft der zwei Systeme.

 

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Literatur:

KOTTER, John. P.: Die Kraft der zwei Systeme. Harvard Business Manager, December 2012, 22–36.

Masterarbeit Uwe Rühl: Organizational Resilience Hands-On – A systematic literature review regarding the practical implementation of ISO 22316:2017

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