ORGANIZATIONAL RESILIENCE MANAGEMENT SYSTEM – Teil 28

03 Nov

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Komplexität managen

Wir mögen einfache Antworten und Zusammenhänge. Wenn A passiert, dann B. In unserer hyper-vernetzten Welt ist es leider nicht mehr möglich, Ursache-Wirkungsketten vollständig zu verstehen. Das stellt Unternehmen vor große Herausforderungen. Wie soll man Komplexität zumindest im eigenen Unternehmen beherrschen?

Wir spüren tagtäglich, wie „kompliziert“ die Welt geworden ist. Die Werte der Neuinfektionen steigen, Maßnahmen wie ein Lockdown-Light sollen nun die Lage wieder in den Griff bekommen. In den USA findet die Präsidentschaftswahl statt, Frankreich erlebt eine Reihe von Anschlägen und wir sitzen vor dem Smartphone und denken uns vielleicht: „Es passiert so viel. Was heißt das für mich?“

Die brutale Antwort ist: wir leben in einer komplexen Welt, voller Abhängigkeiten. Das ganze Ökosystem, in dem wir leben ist komplex. Unser Körper ist komplex; selbst seine Abläufe haben wir noch lange nicht vollständig verstanden.

Wir nehmen unsere Hilflosigkeit noch deutlicher wahr, seit Nachrichten, Meinungen und Informationen per Klick abrufbar sind, Push-Nachrichten uns überfluten. Dies erzeugt in unseren Gehirnen noch mehr das Gefühl von Überforderung. Der Begriff der „Channel-Capacity“ drückt aus, dass wir eben nur eine gewisse Menge an Daten bewusst verarbeiten können. Unser Unterbewusstes kommt mit viel mehr Daten klar, kann diese aber nur aufgrund von erlernten Mustern verarbeiten. So schnell können wir neue Muster gar nicht erlernen, wie wir sie bräuchten. Unser Gehirn schlägt Alarm, wir geraten in Stress.

Es gibt leider kein Patentrezept, um Komplexität in Unternehmen zu managen. Aber es gibt immerhin ein paar Ansätze, die wir nutzen können.

Zum einen sollten wir erkennen, dass es schwer ist, die Komplexität unserer Welt zu reduzieren. Dazu müssten viele, viele Netzwerkpartner gemeinsam an einem Strang ziehen und Lösungen herbeiführen. Das ist kaum vorstellbar, weil die Interessen der einzelnen Individuen zu weit auseinander gehen. Also sollten wir dort anfangen, wo wir einen direkten Einfluss haben: die Komplexität im eigenen Unternehmen zu reduzieren. Das bedeutet, gleiche Abläufe zu automatisieren oder so zu standardisieren, dass wir unsere wertvolle Channel-Capacity für wichtigere Entscheidungen nutzen können. Abläufe in Unternehmen mit Simple Rules statt komplexen Prozessen beschreiben, hilft schon mal. Es einfach machen!

Zum anderen ist es wichtig, dass wir die Komplexität unserer Umwelt interpretieren müssen, um für das Unternehmen sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Dazu ist es wichtig, dass wir Muster und Wissen entwickeln, die eine solche Interpretation erst möglich machen. Die US-Amerikanischen Forscher Weick und Sutcliffe haben betont, dass Entscheidungen dort getroffen werden sollen, wo die Expertise sitzt und nicht die Hierarchie (Karl E. Weick & Kathleen M. Sutcliffe (2003). Das Unerwartete managen. Klett-Cotta). Das bedeutet, dass wir genau prüfen sollten, welche Rolle, welche Funktion im Unternehmen für welches Thema die Expertise hat, die Lage einzuschätzen. Es gilt, diese Personen kontinuierlich weiter zu entwickeln und Unterstützung anzubieten. Hier kann z.B. der gezielte Einsatz von AI-Lösungen helfen.

Wir sollten uns auf die nackten, brutalen Fakten beziehen, wenn wir Entscheidungen treffen. Und dies so gut als möglich zu tun hilft uns, mit Komplexität umzugehen. Simple Rules und Expertise im Unternehmen zu nutzen hilft uns zumindest einen Schritt weiter.

Für #surviveANDprosper.

 

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Unternehmerische Resilienz – Das Buch

 

Ihr Uwe Rühl

 

 

 

Urheber: Michail_Petrov-96 von Getty Image Pro auf Canva

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