ORGANIZATIONAL RESILIENCE MANAGEMENT SYSTEM – Teil 68

07 Aug

  • in ORMS
  • von
  • 0

Unsicherheit und Social Proof

 

Wenn eine Person in der Fußgängerzone am Boden liegt und sich nicht rührt – was denken Sie dann? Laufen Sie vorbei oder zögern Sie? Rufen Sie den Notruf? Oder sprechen Sie sogar die Person an? Solche Situationen haben Sie bestimmt schon oft erlebt. Was wir als Menschen dann unbewusst sofort tun ist – beobachten, was die anderen um uns herum machen. Gehen Sie weiter? Dann wird es schon nicht so schlimm sein – die Person schläft bestimmt nur…

Ich war selbst viele Jahre beruflich im Rettungsdienst tätig und kam viele Male in solchen Situationen zum Einsatz. Ja, häufig sind Rauschmittel wie Alkohol oder Drogen im Spiel und die Person wollte eigentlich nur schlafen. Und doch gab es viele andere medizinische Notfälle, die Mitmenschen von einer Sekunde in die andere in eine lebensbedrohliche Situation brachten – in denen jede Sekunde zählt!

Heute heißt das leider nicht, dass ich an jeder Person die am Rand der Straße liegt automatisch zum Erst-Helfer werde. Auch ich „scanne“ erst einmal die Reaktion der anderen – Hektik? Gehen die Leute weiter? Wie wirkt das Umfeld auf mich?

Derzeit beschäftigt mich ein Buch von Robert Cialdini, Ph.D.: „Influence – The Psychology of Persuasion“. Der Autor beschreibt dort genau solche Situationen und weshalb wir uns „verführen“ lassen, weiterzugehen, nicht zu helfen, nicht auf die Situation zu reagieren.

Extrem habe ich das einmal erlebt im Flughafen Newark als ich auf einen Flug wartete. Die Brandmeldeanlage meldete sich mit ohrenbetäubendem Lärm – aber niemand, wirklich keine Person – auch ich nicht-, nutze die Notausgänge, um sich in Sicherheit zu bringen. Wir taten alle genau das, was Cialdini beschreibt: in Zeiten von Unsicherheit setzen Menschen auf Social Proof, um Ihr Handeln auszurichten. „Wenn alle anderen dableiben, renne ich auch nicht. Wird schon nicht so schlimm sein“.

Wir achten als Menschen auf das, was die anderen machen, besorgen uns dadurch Rückversicherung (Social Proof) für unser eigenes Handeln. Wir sind kongruent mit der Masse – das gibt uns Sicherheit in einer unsicheren Situation.

Sie merken – dieser Mechanismus kann kontraproduktiv sein. Nämlich dann, wenn Hilfe für eine Person angesagt wäre, oder die Brandmeldeanlage wirklich einen Brand anzeigt – oder wir in Unternehmen handeln müssen, weil sich eine Störung oder ein Notfall ankündigt.

Deshalb ist es für ein Organizational Resilience Management System (ORMS) so entscheidend, die Kultur des Unternehmens auf Überlebens- und Zukunftsfähigkeit zu trimmen. Unseren Mitarbeitenden und Führungskräften die Sicherheit zu vermitteln, aktiv zu werden und einzuschreiten. Toyota hat allen Personen in der Produktionskette nicht nur erlaubt, sondern nachdrücklich klar gemacht, dass sie das Produktionsband stoppen müssen, wenn eine Störung eintritt. Lassen Sie uns mutig sein und die erste Person sein, die reagiert – egal ob am Straßenrand, im Flughafen oder im Unternehmen – für #surviveANDprosper.

Schreiben Sie mir gern Ihre Fragen, Anregungen und  Gedanken dazu.

 

[email protected]

Unternehmerische Resilienz – Das Buch

 

Ihr Uwe Rühl

 

Urheber: Michail_Petrov-96 von Getty Image Pro auf Canva

Share on Xing
0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.