Umwelt, Digitalisierung und Normen – wie geht das zusammen

05 Nov

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Die digitale Transformation gilt als eine der größten Herausforderungen der Zukunft. Da hierbei Normung und Standardisierung eine zentrale Rolle spielen, plant die Koordinierungsstelle Umweltschutz (KU) von DIN die Einrichtung eines Themenschwerpunkts „Chancen und Risiken der Digitalisierung aus Umweltsicht“.

Ziel wird es sein, Normung und Standardisierung so einzusetzen, dass die Nutzung der Potentiale der Digitalisierung für den Umweltschutz gefördert und negative Auswirkungen auf die Umwelt durch die Digitalisierung identifiziert und, wenn möglich, vermieden werden.

 

Umweltmonitor Digitalisierung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU)

In der von der DBU in Auftrag gegebenen Umfrage wurden 1023 Bürger*innen ab 14 Jahren im Oktober 2018 befragt. Lediglich eine Minderheit bringt Begriffe, wie Umweltbelastung (31 %) oder Umweltschutz (27 %) mit der Digitalisierung in Verbindung. Erstaunlich, hat doch allein die Erzeugung der digitalen Währung Bitcoin 2018 mehr Energie als ganz Dänemark verbraucht.
Gleichzeitig ist das ökologische Potenzial der Digitalisierung für Energie- und Ressourceneinsparungen, neue Mobilitätskonzepte und moderne Produktions- und Arbeitsprozesse gigantisch.
78 % der Befragten sehen die Hersteller und Anbieter in der Verantwortung, ein Produkt oder eine Dienstleistung möglichst umweltverträglich herzustellen oder zu gestalten. Darüber hinaus hält es eine überragende Mehrheit von 92 % für wichtig/sehr wichtig, dass sich Politik, Unternehmen und Gesellschaft stärker mit den Folgen der Digitalisierung für die Umwelt beschäftigen.
Während junge, technikbegeisterte Umfrageteilnehmende mehrheitlich meinen, der digitale Wandel bringe Chancen, so verbinden viele Befragte die Digitalisierung auch mit Manipulation (79 %), Verlust der Privatsphäre (73 %) und Überforderung (52 %).

 

Digitalisierung – Chance oder Risiko?

Digitalisierung verändert unseren Alltag. So sind z.B. Selbstscan-Kassen, Mitfahrportale und Sharing-Plattformen Zeichen für eine technologiegetriebene Veränderung unserer Gesellschaft. Das Smartphone ist zwischenzeitlich für viele Menschen ein unverzichtbarer Begleiter im Alltag geworden.

Durch die Digitalisierung sind Informationen

  • zu (vernachlässigbaren) Kosten beliebig oft reproduzierbar,
  • in Sekundenschnelle an jeden Ort der Wert verteilbar und
  • durch mathematische Algorithmen maschinell auswertbar und verarbeitbar.

Dies hat tiefgreifende Auswirkungen auf Wertschöpfungsmodelle, Organisationen und Prozesse in der Wirtschaft, aber auch auf die Arbeitswelt, die Bildung, die Gesellschaft und eben auf die Umwelt.

Die Infrastruktur des neuen digitalen Zeitalters ist das Internet.
Es hat sich zur zentralen, weltweiten Informations- und Kommunikationsinfrastruktur weiterentwickelt. Bereits 2018 hatte bereits mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung Zugang zum Internet. Damit geht auch der Trend zur Vernetzung von Computern, Telefonen, Haushaltsgeräten, Autos usw. einher.

Allerdings steigt der Stromverbrauch durch IKT (Informations- und Kommunikationstechnik) – allein Fernseher hatten 2015 in Deutschland einen Anteil von 20 % des Strombedarfs.
Auf der anderen Seite ist es offensichtlich, dass IKT auch zu Energie und CO2-Einsparungen beitragen können. So können Web- und Videokonferenzen Präsenzmeetings ersetzen, was zur Reduzierung von Geschäftsreisen beiträgt. Weitere Beispiele sind die Dematerialisierung von Medieninhalten durch e-Books und elektronische Zeitungen sowie der download von Musik oder Filmen, statt des Kaufs von CDs und DVDs.
Gesetzliche Rahmenbedingungen spielen eine zentrale Rolle für die Ausschöpfung möglicher Einsparpotenziale durch IKT. So hat z.B. Italien, im Gegensatz zu Deutschland, schon über 30 Millionen Smart Meter im Einsatz, die Transparenz über Energieverbräuche schaffen und so zur Verbrauchsminderung beitragen.

 

 

Was sagt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) zu Chancen und Risiken der Digitalisierung?

Die großen Trends unserer Zeit sind Digitalisierung, Globalisierung und Klimawandel.

Sie verändern das Leben aller Menschen. Die Digitalisierung hat erhebliche Auswirkungen auf Umwelt und Natur. Unverändert fortgesetzt, wird sie zum Brandbeschleuniger für die ökologischen und sozialen Krisen unseres Planeten. Deswegen brauchen wir eine Trendwende, mit der wir Wohlstand, Gerechtigkeit und Umweltschutz zusammenbringen. Denn nachhaltig ausgerichtet, wird die Digitalisierung zum Chancentreiber, indem sie

  • erneuerbare Energiequellen vernetzt und die Energiewende unterstützt,
  • verbindet Fahrräder, Busse, Autos und Bahnen in der Stadt und auf dem Land,
  • hilft, Äcker präzise zu düngen und Arten zu schützen,
  • Transparenz für Verbraucher*innen in Lieferketten schafft,
  • eine „echte“ Kreislaufwirtschaft ermöglicht, und
  • dabei unterstützt, die Nachhaltigkeit von Finanzinvestitionen besser zu bewerten.

Mit einer Digitalagenda für Umwelt-, Klima- und Naturschutz erarbeitet das BMU einen Kompass für die Digitalisierung in Deutschland und Europa. Während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 soll die Agenda mit den europäischen Nachbarn weiterentwickelt werden.

 

Normen und Standards, die zum Umweltschutz beitragen (können)

Die Festlegung von Normen hat sich deutlich auf die europäische Ebene verlagert und ersetzt die nationale Normung weitgehend. Das liegt an der europäischen Gesetzgebung, die ähnlich der deutschen Verfahrensweise zunehmend auf Normen des Europäischen Komitees für Normung (CEN) zurückgreift. Die Normen dienen als Instrument, um Rechtsvorschriften zu konkretisieren, wie beispielsweise beim Umweltrecht und bei Qualitätsanforderungen.
Besondere Bedeutung haben dabei die umweltbezogenen ISO-Normen der 14.000-er Reihe sowie die ISO 50001 für das Energiemanagement.
Ergänzend führen wir hier noch ISO 20400 – Norm für nachhaltige Beschaffung und ISO 26000 – Leitfaden für die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen auf, in dem auch das Thema Umweltschutz adressiert wird.

 

Umweltschutz geht uns alle an und hat grundsätzlich damit zu tun „Verantwortung zu übernehmen“ und das gelingt im Grunde mit jeder Norm bzw. mit jedem Managementsystem, das eine Organisation betreibt.

Ein paar Beispiele:

  • Informationssicherheitsmanagementsystem (ISMS) nach ISO/IEC 27001
    hier kann beispielsweise die Einhaltung gesetzlicher, regulatorischer, selbstauferlegter oder vertraglicher Verpflichtungen unter A.18.1 genutzt werden
  • Qualitätsmanagementsystem (QMS) nach ISO 9001
    hier beispielsweise die Bestimmung von Anforderungen für Produkte und Dienstleistungen unter 8.2.2, wenn man z.B. Umweltschutz/ Nachhaltigkeit als Anforderung, die die Organisation als notwendig erachtet, mit aufnimmt (dasselbe ließe sich auch über 8.3.3 Entwicklungseingaben d) realisieren)
  • Umweltmanagementsystem (UMS) nach ISO 14001
  • Managementsystem für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit nach ISO 45001
    beispielsweise unter 6.1.3 der Bestimmung rechtlicher Verpflichtungen und anderer Anforderungen sowie unter 9.1.2 Bewertung der Compliance – Gesundheit und Umwelt liegen in der Regel nahe beieinander.

Earth Overshoot Day – Welt-Ressourcen-Tag

 An diesem Tag haben wir Menschen alle natürlichen Ressourcen aufgebraucht, die die Erde innerhalb eines Jahres regenerieren und nachhaltig zur Verfügung stellen kann. Die Biokapazität der Erde beträgt pro Jahr 1,7 Globale Hektar pro Person. Jeder Mensch verbraucht im Schnitt allerdings 3,3 Globale Hektar pro Jahr. Dieser Verbrauch heißt auch ökologischer Fußabdruck.

1979 fiel der Erdüberlastungstag noch auf den 29 Oktober, 1989 auf den 11. Oktober. 1999 war er bereits auf den 29. September vorgerückt und vor 10 Jahren auf den 18. August.
2019 waren die Ressourcen bereits am 29. Juli erschöpft – der früheste Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheit.
Für 2020 fällt dieser Tag auf den 22. August – bedingt durch die SARS-CoV-2-Pandemie.

 

Wie auch immer – in der heutigen Zeit sollten – NEIN – müssen wir alle Umweltschutz ernst

nehmen und jeder von uns, muss seinen Beitrag dazu leisten.

 

Unser Beitrag für Sie - wir helfen Ihnen mit Ihrem Managementsystem

 

 

 

Bildnachweis: Love The Nature von Nikilitov von Getty Image Pro für Canva

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