Urteil über Arbeitszeiterfassung – Mögliche Folgen für ihr Unternehmen

15 Mai

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Spät am Abend noch schnell eine wichtige E-Mail beantwortet und morgen spontan eine Stunde länger arbeiten – so sieht der Arbeitsalltag häufig aus und wird in vielen Fällen nicht notiert. Dafür wird auch das Schreiben von privaten Nachrichten oder kurze Anrufe in der Arbeitszeit häufig geduldet. Das soll laut eines Urteils des Europäischen Gerichtshof demnächst nicht mehr möglich sein. Arbeitgeber sollen nun zur Erfassung der Arbeitszeit verpflichtet werden. Die Länder in der EU sollen dafür eigene Gesetze schaffen.

Ausgelöst hatte das neue Urteil die Klage einer spanischen Gewerkschaft, die eine sorgfältige Dokumentation der Arbeitszeiten forderte. Vor allem in Hinblick auf Überstunden sei es von Bedeutung die gesamte Arbeitszeit genaustens zu ermitteln, denn in Spanien werden bisher bis zu 53.7 Prozent der Überstunden nicht erfasst. Auch das EuGH war derselben Meinung und entschied sich somit für die Arbeitszeiterfassung.

Nun liegt es in der Hand der EU-Mitgliedstaaten inwieweit sie die Arbeitgeber dazu verpflichten wollen, ein optimales System zur Zeiterfassung aufzubauen. Denn die Art der Umsetzung darf jedes EU-Land selbst bestimmen. Das Urteil ist hierbei überaus arbeitnehmerfreundlich, dennoch wird es für den Arbeitgeber, Arbeitnehmer und den Arbeitsalltag erhebliche Folgen haben.

Speziell für kleinere Firmen könnte es, abhängig von der Umsetzung des Urteils, zu mehr Bürokratie führen, da alles entweder genausten tabellarisch erfasst oder eine elektronische Zeiterfassung eingeführt werden muss. Zudem wird die Einschränkung der Flexibilität mehrfach kritisiert. So konnte eine Mutter oder ein Vater bisher das Kind um 15.00 Uhr von der Kita abholen und dafür am nächsten Tag länger arbeiten. Durch das Urteil würde aber die Arbeitszeit am nächsten Tag beschränkt werden. Dies gilt auch für ortsungebundene Arbeit wie Home-Office, da diese folglich auch weniger flexibel gestaltet werden könnte. Was zusätzlich wenige bedenken ist, dass sich die Kosten für den Arbeitgeber erhöhen könnten. So müssten für die Arbeitnehmer auf einer Geschäftsreise häufiger Hotels für eine Nacht dazu gebucht werden, wenn nach der abgelaufenen, abgesprochenen Arbeitszeit ein Meeting mit dem Kunden noch nicht zu Ende ist oder die Arbeitszeit inkl. Fahrt sich auf über 8-10 Stunden hinziehen würde. Das bedeutet auch, dass der Arbeitnehmer hierdurch weniger Zeit zuhause verbringt. Mit Hinblick auf Arbeitswelt 4.0 scheint somit eine Arbeitszeiterfassung 1.0 eine rückschrittliche Lösung zu sein.

Auch wenn das Urteil einen Zeitdiebstahl und gesundheitliche Probleme aufgrund Überarbeitung in einer Arbeitswelt der ständigen Erreichbarkeit verhindern möchte, wurden weitreichende Folgen, die auch negativ für den Arbeitnehmer sind, nicht vollständig berücksichtigt. Somit ist das neue Gesetz mit gemischten Gefühlen zu betrachten.

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