Zukunfts- und widerstandsfähige Kommunen und Gemeinden brauchen ein starkes Managementsystem – ISO 37101

14 Mai

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Corona, Demographische Entwicklung und Klimawandel

Die aktuelle Corona-Krise zeigt uns, wie wichtig für unser Zusammenleben Communities sind. Menschen sind darauf „programmiert“, zusammenzuarbeiten, einander zu helfen und zu unterstützen. Notzeiten verstärken diesen Effekt. Wir erleben Nachbarschaftshilfe. Formelle und informelle Angebote. Gaststätten und Kneipen bekommen Unterstützung durch Crowdfunding[1], Sportvereine organisieren den Wocheneinkauf für Menschen, die zu den besonderes betroffenen Risikogruppen gehören.

Dabei entsteht ein Nebeneinander von organisierten und improvisierten Hilfen. Es kommt natürlich auch zu Überlappungen, vielleicht manchmal zu Überreaktionen oder auch gut gemeinten Aktionen, die ggf. sogar kontraproduktiv sind.[2] Und es entsteht auch der Vorwurf, dass die organisierten Hilfen eben nicht oder nur unzureichend greifen, da sie auf ein solches Szenario nicht vorbereitet waren. Der Vorwurf richtet sich vor allem in Richtung der Kommunen.[3]

 

Zivilschutz und ein starker Staat

Ob diese Vorwürfe nun gerechtfertigt sind oder nicht, soll hier nicht beurteilt werden. In der Vergangenheit, insbesondere nach dem zweiten Weltkrieg bis zur Wiedervereinigung war Zivilschutz in Deutschland ein stark regulierter und institutionalisierter Bereich. Selbst in den Schulen wurden Grundregeln des Zivilschutzes gelehrt. Dazu gehörte nicht nur der obligatorische Erste-Hilfe-Kurs. Man lernte, wie man Schutzräume einrichtet, Brände löscht und verletzte Personen rettet. Damit wurde zumindest eine gewisse Awareness geschaffen. Durch die Wehrpflicht, Zivildienst und Ersatzdienst wurden Menschen in größerem Stil einer gesellschaftlichen Verpflichtung unterzogen.
Ehrenamt fand hauptsächlich in organisierten Formen statt. Auf dem Dorf waren viele bei der Freiwilligen Feuerwehr, auch Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz hatten entsprechend Zulauf.

Leistungen der Daseinsvorsorge waren meist in öffentlicher Hand. Dies galt für das Stadtwerk – das alle Sparten bediente wie Wasser, Strom und Abwasser – oder Infrastrukturunternehmen wie Post und Bahn.

 

Privatisierung, KRITIS und private Initiativen

Die 1990er und 2000er Jahre waren stark geprägt von einer Privatisierungswelle, die auch das klassische Stadtwerk, Post und Bahn umfassten. Ehrenamtliches Engagement in organisierter Form nahm ab.

Aktuell merken wir, dass diese Entwicklungen nun wieder stärker „eingefangen“ werden sollen. Durch die KRITIS-Verordnung[4] werden Unternehmen der Kritischen Infrastrukturen verpflichtet, die eigenen Tätigkeiten stärker abzusichern. Vor allem hier auf Informationssicherheit bezogen. Gerade wird der Begriff der „Systemrelevanz“ stark verwendet und überschneidet und vermischt sich mit dem Begriff der „Kritischen Infrastrukturen“. Es entsteht dabei eine gewisse Unklarheit, was und welche Tätigkeiten nun wirklich kritisch sind und was emotional als systemrelevant bezeichnet wird.

Die jüngste Vergangenheit ist stark geprägt von informellen Initiativen, die aus gewissen Motiven heraus Einfluss nehmen wollen auf die gesellschaftliche Entwicklung und konkrete Hilfe anbieten. Vor allem der Klimawandel hat diese Entwicklung befördert, aber auch in der aktuellen Krise sehen wir zahlreiche Initiativen. Menschen finden und organisieren sich über soziale Medien oder spezielle Plattformen. Das ehrenamtliche gesellschaftliche Engagement scheint ungebrochen da zu sein, es zeigt sich nur in anderen Formen.

 

Ist der starke Staat zurück?

In der aktuellen Corona-Krise zeigt sich nun, dass der Staat als starker Akteur wieder gefordert ist. Dies vor allem, um die knappen Ressourcen so einzusetzen, dass die bestmögliche Hilfe möglich wird. In Bayern ist der Katastrophenfall erklärt worden. Damit wird potenziell der Zugriff auf Menschen und Sachen zur Bekämpfung der Epidemie im Rahmen des Katastrophenrechts möglich. Auch die Infektionsschutzgesetze unterliegen einer Änderung, um die zentrale Koordination von Maßnahmen und Hilfe zu ermöglichen. Die Welt hat sich aber seit den 70er und 80er Jahren weiter entwickelt. Das Konzept des Zivilschutzes von „damals“ kann nicht 1:1 auf die heutige Zeit übertragen werden. Die Szenarien, die wir gemeinsam zu bewältigen haben, sind komplex, vernetzt und fordern die Koordination von unterschiedlichsten Aufgaben und Angeboten. Der Klimawandel, der demographische Wandel sind hierbei nur zwei Beispiele an Herausforderungen.

 

Community Resilience und Nachhaltige Entwicklung – ISO 37101

Die Herausforderungen brauchen neue Herangehensmodelle. Weder der Staat noch private Initiativen alleine werden es richten können. Wichtig erscheint die Koordination von kommunalen und staatlichen Aufgaben und dem gesellschaftlichen Engagement.

Diese Ansätze wurden bereit im Jahr 2016 in einem Managementsystem für die Nachhaltige Entwicklung von Communitys[5] – ISO 37101 von der International Organization for Standardization veröffentlicht. Ein Team aus Experten hat im Technischen Komitee mittlerweile eine kleine Reihe an Standards veröffentlicht, die Communitys Hilfestellung geben sollen.

Ziel dieser Normen ist es, zukunftsfähige Communitys zu entwickeln. Thematisch wird ein breiter Strauß an Themen eröffnet, die für die Zukunftsfähigkeit miteinander koordiniert werden sollen.

Die Themen umfassen:

  • Systematische Ansätze, um die unterschiedlichen Interessengruppen zusammen zu bringen
  • Bildung und der Aufbau von Fähigkeiten
  • Innovation, Kreativität und Innovation
  • Gesundheitswesen und Pflege
  • Kultur und Identität der Community
  • Zusammenleben, gegenseitige Unterstützung
  • Wirtschaft und nachhaltige Produktion und nachhaltiger Konsum
  • Lebens- und Arbeitsumgebungen
  • Sicherheit
  • Infrastruktur
  • Mobilität
  • Biodiversität und der Schutz der Ökosysteme

Dabei geht es der Normenreihe nicht darum, exakte Lösungen zu geben und einen Handwerkskoffer zu liefern. Sie will diese Themen strukturieren, bewertbar machen und vor allem eine Systematik anbieten, diese zu entwickeln.

Die Ziele sind dabei sowohl die Attraktivität der Kommune zu steigern, dabei die Umwelt zu schützen, die Widerstandskraft zu erhöhen, Ressourcen verantwortungsvoll zu nutzen, den sozialen Zusammenhalt und das Wohlergehen zu erhöhen.

 

Community Management Systeme – jetzt ist ein hervorragender Zeitpunkt

Um diese Ziele zu verfolgen, werden die Ansätze eines fokussierten Managementsystems verwendet. Diese kennen wir aus der Unternehmenswelt (z.B. ISO 9001 für Qualitätsmanagement). Sowohl Unternehmen als auch Kommunen, bestehen aus Menschen, die Ziele erreichen wollen und dafür Ressourcen einsetzen. Warum also nicht diese bewährten Ansätze nutzen? Es geht vor allem darum, die unterschiedlichen Interessen so auszurichten, dass die Ziele für das große Ganze erreicht werden können. Das Ziel könnte also sein, dass Communitys systematisch, zielgerichtet und vor allem regelmäßig bewertbar an Entwicklungszielen arbeiten, die mit den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen im Einklang sind.[6]

Corona, aber auch der Klimawandel zeigen, dass Menschen aktiv Teil der Lösung sein wollen. Eine zukunftsfähige Community wird nicht mit starker Hand diese Ziele erreichen, sondern in dem sie Ihre Interessengruppen einbezieht.

Ein Managementsystem nach ISO 37101 steht allen Kommunen, aber vielleicht auch größeren Verbünden auf Verwaltungsbereichsebene gut zu Gesicht. Einige Kommunen arbeiten bereits mit diesen Ansätzen und können gute Ergebnisse vorweisen. Z.B. Liverpool in Großbritannien. Liebe Kommunen, nach Corona werden wir uns wieder verstärkt den weiteren großen Herausforderungen zuwenden. Ein systematischer und fokussierter Ansatz für zukunftsfähige Communitys!

 

Wir beraten Kritische Infrastrukturen und Kommunalunternehmen bei der Einführung
und / oder dem Betrieb von Managementsystemen.

 

 

Zukunftsfähigkeit mit Methode

 

 

Urheber: iQoncept auf Canva

 

[1] https://www.nordbayern.de/region/fuerth/spenden-auf-startnext-die-crowd-will-kneipen-retten-1.9991132
[2] https://www.nordbayern.de/region/nuernberg/corona-krise-fachleute-warnen-vor-spendenzaunen-1.9996387?searched=true
[3] https://www.welt.de/politik/deutschland/article206865551/Corona-Pandemie-80-Prozent-der-deutschen-Kommunen-ohne-Notfallplan.html
[4] https://www.gesetze-im-internet.de/bsi-kritisv/BJNR095800016.html
[5] Sustainable development in communities — Management system for sustainable development — Requirements with guidance for use – ISO 37101:2016(E)
[6] https://sustainabledevelopment.un.org/sdgs
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